Nachhaltige Verpackungen

Bei einem Hausbesuch bei der Unternehmensgruppe Krings erfuhren Mitglieder des bio innovation park Rheinland e.V. Neues über Vor- und Nachteile biobasierter, aktiver und intelligenter Verpackungen.

Wer hätte gedacht, dass Lebensmittel-Verpackungen so viele Aufgaben erfüllen müssen? Schützen, frisch halten, präsentieren, portionieren und vieles mehr. Entsprechend dieser Aufgabenvielfalt gibt es einen Reichtum unterschiedlichster Verpackungen für die verschiedenen Lebensmittel, die Frau Dr. Judith Kreyenschmidt vorstellte, Leiterin der Arbeitsgruppe Cold Chain Management der Universität Bonn. Die großen Zukunftstrends sieht sie in biobasierter Verpackung, in der aktiven Verpackung, die Produkte länger frisch hält und damit für deutlich weniger Abfall sorgt, sowie in der intelligenten Verpackung, die dem Verbraucher Informationen über das Produkt liefert.

Alexander Krings, Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Krings und stellvertretender Vorsitzender des Vereins, ist mit dem Thema Verpackung bestens vertraut. Das Unternehmen ist nicht nur Erzeuger von Äpfeln in der Region, sondern auch Dienstleister für Sortieren und Verpacken sowie Logistiker. 70 bis 80 LKW sind täglich für Krings unterwegs, um Lebensmittel frisch in den Supermarkt zu bringen. Der Kunde spielt bei der Art der Verpackung eine wichtige Rolle: Was wird besser verkauft – der lose Apfel oder der Apfel im Viererpack? Der Absatz hat einen direkten Einfluss auf Art und Design der Verpackung. Nachhaltigkeit ist dabei häufig zweitrangig.

Genau an diesem Punkt setzt der bio innovation park an und zeigt, dass nachhaltige Verpackungen möglich sind. Zwei Beispiele aus abgeschlossenen Forschungsprojekten:

„SafePack“ und Graspapier

Im Projekt „SafePack“ von Frau Dr. Kreyenschmidt hat das interdisziplinäre Forschungskonsortium neuartige antimikrobielle Verpackungslösungen für Fleisch im Selbstbedienungsbereich entwickelt. Mit ihnen kann die Qualität gesichert und eine längere Haltbarkeit erreicht werden. Dadurch fällt weniger Abfall an, ergo müssen weniger Ressourcen für die Produktion verbraucht werden. Konkret sprechen die Forscherinnen von gut 15 % weniger verdorbenem Hähnchenfleisch, das entspricht über 6 Millionen Tieren, die weder aufgezogen noch geschlachtet werden müssen.

Ein Papier aus Gras hat Prof. Pude aus dem Fachbereich Nachwachsende Rohstoffe der Universität Bonn entwickelt. Knackpunkt war die Zerkleinerung und Pelletierung des Materials, die am Campus Klein-Altendorf mit Unterstützung der DBU erfolgreich gelöst wurde. Inzwischen produziert das Unternehmen creapaper in Hennef Kartons für den Versandhandel. Vielleicht lässt sich das Material auch im Lebensmittelbereich einsetzen wie die Kartons aus Tomatenpflanzen, die auf der Expo Food Valley © präsentiert wurden.

Etwas Wasser in den Wein goss Benjamin Wegener von HK Pack, einem Großhändler für Verpackungen. Noch seien die biobasierten Verpackungen 50 – 80 % teurer als die Standardprodukte, und da man bei Ernte und Anbau im Lebensmittelsektor kaum sparen könne, müsse die Verpackung preiswert sein. Biobasierte Verpackungen haben deshalb einen kleinen Marktanteil, aber das kann sich ja in Zukunft ändern.

Forschungsfeld Verpackung

Im bio innovation park wird an Lösungen für biobasierte, aktive und intelligente Verpackungen gearbeitet. Verstärkt sollen Produzenten eingebunden und mit dem Lebensmitteleinzelhandel kooperiert werden, um Konsumentenwünsche zu berücksichtigen. Der Ressourceneinsatz und die Vermeidung von Abfall sind dabei ebenso wichtige Stichworte wie die Kundenzufriedenheit.

Das Thema Verpackung wird in einer Arbeitsgruppe weiter bearbeitet. Ziel ist es, konkrete Projekte in Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft zu skizzieren, beispielsweise eine reißfeste (Gras-) Papier-Obsttüte oder die biobasierte Kunststoffverpackung für Fleischprodukte. Weitere Partner sind willkommen!

 

Vorträge zum Download

Kreyenschmidt, Judith: Innovative Verpackungskonzepte: „State of the Art“ und Zukunfstrends

Dohlen, Sophia: Entwicklungs und Implementierung nachhaltiger Verpackungen

Pude, Ralf: Verpackung aus Graspapier

HK-PACK Krautscheid GmbH: Verpackungen im Obst- und Gemüsebereich

 

Kontakt Arbeitsgruppe

brigitte.scholz@uni-bonn.de